Geschichte Stadt Freudenberg
Um 1100 entstand die Freudenberger Vorgängersiedlung Lullingscheid, die in den Jahren 1050-1150 in den "Amorbacher Traditionsnotizen" Erwähnung findet. Aus romanischer Zeit stammt das Hauptschiff als ältester Teil der Friedhofskapelle St. Laurentius (1149). Das Kreuzgewölbe und der Chor stammen aus frühgotischer Zeit. Am 17.08.1159 findet man den Ort als "Lüllenseit" erneut in einer Urkunde erwähnt. Im Jahr 1178 wird der Dürrhof als Klosterhof des Klosters Bronnbach urkundlich erwähnt. 1181 erscheint die Gemeinde Boxtal unter dem Namen "Bockeshol" in einer Urkunde, in der Heinrich von Boxtal, Kanoniker am Aschaffenburger Stift, als Zeuge auftritt. In den Jahren 1190-1200 bauen wohl die Grafen von Wertheim als Lehensträger vermutlich unter Bischof Heinrich III. von Würzburg eine starke Stadtbefestigung und die Burg "Frouwedenberch", die heute noch als stattliche Ruine erhalten ist. 1197 stirbt Bischof Heinrich III., sein Nachfolger, Gottfried II., stirbt bereits ein halbes Jahr nach Amtsantritt. Es folgt Bischof Konrad I., der das Amt bis 1202 ausübt. Ruprecht I. von Dürn, direkter Gegenspieler des Bischofs stirbt im Jahr 1197. Da sein Sohn und Nachfolger Ulrich I. von Dürn ein wesentlich besseres Verhältnis zu Würzburg hat, wird der weitere Ausbau der Burganlage, die ja vor allem gegen die Dürn gerichtet war, zunächst beendet. Die Gemeinde Freudenberg wird erstmals 1200 unter dem Namen "Froudenberc" urkundlich erwähnt. Die Bürger der Vorgängersiedlung Lullingscheid begeben sich in den Schutz der gerade errichteten Burg. Durch den würzburgischen Burgenbau sieht sich das Erzbistum Mainz in seinen Besitzungen um das benachbarte Bürgstadt bedroht und lässt deshalb einige Kilometer mainabwärts die 1226 erstmals genannte Burg Miltenberg erbauen. In den Jahren 1230-1240 wird die Burg Freudenberg erweitert und die Stadtkirche errichtet. Es folgt in einer zweiten Bauphase ein weiterer Ausbau der Burg und des Bergfrieds, vielleicht als Reaktion auf den Burgbau bei Miltenberg. Es gibt jedoch auch die Theorie, dass die wieder erstarkten Herren von Dürn unter Konrad I. Grund für den erneuten Burgausbau waren. Nicht ganz geklärt werden kann die Rolle der Grafen von Wertheim im Zusammenhang mit der Gründung der Burg. Sie scheinen jedoch bereits seit dem frühen 13. Jh. mindestens teilweise Lehensinhaber gewesen zu sein. Bestätigt wird die Lehnsherrschaft der Grafen von Würzburg urkundlich mit dem Belehnungsbrief Bischof Mangolds von Würzburg am 09. September 1295. Lehensherrin ist Gräfin Kunigunde von Wertheim, Gattin des Grafen Rudolf von Würzburg. Im gleichen Jahr wird die Freudenberger Stadtbefestigung am Mainufer fortgesetzt. 1246 wird der Vorgängerort Freudenbergs "Lullingscheid" letztmals erwähnt. Freudenberg wird am 03. Mai 1287 erstmals als Stadt benannt. Die entsprechende Urkunde beschreibt die Siedlung als "castrum et civitas" (Burg und Stadtansiedlung). 1294 folgt die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Ebenheid unter der Bezeichnung "Ebenothe", 1309 wird Wessental als "Wetzigintal" erstmals urkundlich erwähnt und 1379 schließlich Rauenberg als "Ruhenberg". 1333 erhält Freudenberg das Recht auf Abhaltung eines Wochenmarkts und die eigene Gerichtsbarkeit durch Kaiser Ludwig IV (1313-1347). Im Zuge einer erneuten Erweiterung der Burg im Jahr 1361 wird der Palas, die Burgkapelle und ein Wirtschaftsgebäude errichtet und der Bergfried ein weiteres Mal erweitert. 1362 erhält die Stadt von Kaiser Karl IV. (1355-1378) das Zollrecht, dem 1376 die rechtliche Gleichstellung mit der Stadt Wertheim, einschließlich der Hochgerichtsbarkeit, folgt. Das Hochgericht war unter anderem berechtigt, die Todesstrafe auszusprechen und zu vollziehen. Noch heute zeugen Flurnamen wie "Galgenberg", "Brennplatzweg" oder "Brennplatz" davon, dass das Hochgericht durchaus tätig war. Kirchlich ist Bürgstadt bis 1400 die Mutterpfarrei von Freudenberg. Erst im 15. Jh. ist Freudenberg eigene Pfarrei. So gehörte Freudenberg, wie schon die Vorgängersieldung Lullingscheid kirchlich zu Mainz, politisch aber zu Würzburg. In der Stadt wird 1412 eine neue Stadtkirche errichtet. Freudenberg besitzt zu dieser Zeit die Pfarrkirche, die Schlosskapelle, die alte Pfarrkirche und die Michaliskirche in Kirschfurt. Ferner wird von einer uralten Kapelle in der Talsiedlung unterhalb der Burg berichtet. 1423 wird Freudenberg Amtsstadt für die Dörfer Ebenheid und Boxtal sowie für die Höfe Kirschfurt und Laukenhof. Erster namentlich bekannter Amtsmann ist Junker Eberhard von Uissigheim. 1479 lässt Graf Johann III. von Wertheim Kirschfurt niederbrennen. Die Kirschfurter dürfen in der Freudenberger "Vorstadt" siedeln. Dies führte zu einer Verdoppelung der Siedlungsfläche und dem Bau einer neuen Schutzmauer. 1497-99 erfolgt die letzte und größte Burgerweiterung. Zur bisherigen Oberburg wird eine Vorburg mit großem Rundturm im Westen und kleinem Rundturm im Osten gebaut, das Bollwerk im Halsgraben angelegt, das Haupttor und eine zweite Außenmauer neu gebaut und der Bergfried auf 30 Meter erhöht. Der dadurch entstandene dreiteilige Bergfried ist unter den erhaltenen deutschen Bergfrieden einzigartig. Der unterste Absatz (1195-97) hat eine Seitenlänge von 14,65 und besteht aus Buckelquader ohne Zangenlöcher. Die Mauerstärke beträgt vier Meter und umschließt einen ca. 36 m² großen Innenraum. Der 1230-40 erbaute mittlere Absatz hat eine Seitenlänge von 6,10 Meter und ist aus kleineren Buckelquadern mit Zangenlöchern erbaut. Der oberste Absatz hat eine Seitenlänge von ca. sechs Metern und besitzt ein Bruchsteinmauerwerk. Ebenfalls im Jahr 1499 lässt Graf Erasmus von Wertheim das Rathaus errichten. Von 1525-1612 und zwischen 1631 und 1633 ist Freudenberg evangelisch. Nach dem Tod des Grafen Asmus (1552) wohnen bis ca. 1580 die Amtmänner in der Burg, die in der Fehde des Brandenburger Markgrafen Albrecht von Brandenburg mit dem fränkischen Klerus teilweise zerstört wird. 1556 erlischt das Wertheimer Grafenhaus mit dem Tod des Grafen Michael III. und Freudenberg fällt als erledigtes Lehen an das Bistum Würzburg zurück. Das Erbe Michaels III. fällt 1557 von der Witwe Katharina an deren Vater Ludwig von Stollberg-Königstein. Von ihm kommt die Erbschaft an seine zweite Tochter Anna, die 1581 ihren Gemahl Graf Ludwig II. von Löwenstein zubringt. Fortan besteht die Herrschaft Löwenstein-Wertheim. Im Jahr 1590 werden rund 150 Bewohner Freudenbergs als Hexen oder Hexer verbrannt. 1592 werden auf der Burg Hexen gefangen gehalten. In den Jahren ab 1600 herrscht unter der Bevölkerung große Not. 1601 in Form einer Hungersnot und 1611/12 sterben rund 500 Menschen an der Pest. Weitere Pestjahre folgen 1625-27 sowie 1635. 1627 wird das Amtshaus vom Würzburger Bischof Philipp Adolf von Ehrenberg im Renaissancestil erbaut. Zwischen den Mittelfenstern des oberen Geschosses befindet sich das kunstvoll in Sandstein gehauene Wappen. Während des
Dreißigjährigen Krieges wird die schon baufällige Burg 1631 durch die Schweden noch weiter beschädigt. Ab 1656 gehört die Pfarrei Freudenberg bis 1821 zu Würzburg. Erzbischof Johann Philipp von Schönborn ist gleichzeitig Bischof von Mainz und Würzburg. Beim Austausch verschiedenen Pfarreien zwischen Mainz und Würzburg im Jahr 1656 werden Rauenberg sowie Boxtal und Ebenheid als Filialen von Freudenberg bezeichnet. 1691 wird eine dritte Stadtpfarrkirche erbaut. 1803 kommen die Stadt Freudenberg und die Dörfer Rauenberg, Wessental und Mondfeld im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses an das Haus Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. Von 1806-1945 erlangt das Großherzogtum Baden aufgrund der Rheinbundakte die Landeshoheit über die Stadt Freudenberg sowie über die Dörfer Boxtal, Ebenheid, Rauenberg und Wessental. 1821 kommt die Pfarrei Freudenberg bis 1827 zu Speyer und dann zur Erzdiözese Freiburg, der sie noch heute angehört.
(Quelle: Stadt Freudenberg)